Von der Kunst eine Tiefgarage
zu planen
Bei unseren laufenden Beauftragungen, aber auch bei verschiedenen
städtebaulichen Ideenwettbewerben als Vorprüfer, Fachpreisrichter oder
Sachverständige, werden wir in jüngster Zeit immer häufiger um Rat gebeten, wie
man in der Objektplanung die ursprünglich angestrebte Anzahl von Stellplätzen in einer Tiefgarage retten kann. Wo liegt die Ursache? Wir haben einen Verdacht!
Mit dem Start der Objektplanung werden die Rahmenbedingungen
wie Tragwerksraster, Baustandards und Bauabläufe bestimmt. Daraus werden für
die Obergeschosse die Grundrisse entwickelt. In Folge ist weitgehend
festgelegt, welche Lasten im Untergeschoss ankommen und abgeleitet werden
müssen. Diese Zwänge lassen im UG kaum mehr Planungsspielräume zu. Das bleibt
häufig nicht ohne Folgen für die Unterbringung und Erschließung der Stellplätze.
Raum- und kostenaufwändige Unterzüge oder gar eine umfassende Umplanung, die
sich schlimmstenfalls durch das gesamte Gebäude zieht, sollen vermieden werden.
Und damit sind wir beim Thema. Aus der Not heißt es dann: Fragen
wir doch mal den Verkehrsplaner! Der schaut sich dann den Zufahrts- und Abfertigungsbereich, die
Planungsparameter der Rampen, die Kurvenradien, Dimensionierung der
Stellplätze, Zugänge und Deckenhöhen an. Die Problemlage wird nach dieser
Prüfung i.d.R. nicht kleiner, der Zeitdruck bis zum Bauantrag aber größer. Also
fängt man an zu "basteln". Welche Nutzungen herrschen vor? Wie viele
Fahrzeugbewegungen sind täglich zu erwarten? Bestehen noch statische
Spielräume? Bieten die einschlägigen Richtlinien und Verordnungen zulässige Optionen? Ab wann ist die Anlage für größere Fahrzeuge nicht mehr
oder nur eingeschränkt nutzbar? In
einem aufwändigen Abstimmungs-verfahren zwischen Entwurfsverfasser, Verkehrsplaner, Bauherrschaft, Statiker und Vorgesprächen mit der Genehmigungsbehörde wird in
einem iterativen Verfahren versucht, einen für alle Beteiligten vertretbaren
Kompromiss zu finden. Das gelingt in der Regel, ist aber selten befriedigend.
Vor allem der Planungsaufwand steigt erheblich.
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Die ägyptische Lösung von
TG-Problemen - TG-Zufahrt Münster-Kinderhaus in den 1990er Jahren Wie lassen sich solche Notoperationen vermeiden? Gemäß der
alten Regel, dass eine Fehlerbehebung umso aufwändiger wird, je später der Fehler
erkannt wird, ist die Lösung eigentlich einfach: Nutzung der Lebenserfahrung, frühzeitige Beachtung des
Standes der Technik, das
UG von Beginn an mitdenken, den Statiker frühzeitig in die UG-Planung einbinden
– und in komplexen Fällen kann vielleicht auch ein Verkehrsplaner hilfreich
sein. |