Mittwoch, 17. Februar 2021

Lärmschutz als Betrag zu lebendigen und verkehrsberuhigten Ortsmitten

In den Jahren 2019/20 hat PRR gemeinsam mit der Hochschule Karlsruhe für das Verkehrsministerium Baden-Württemberg begleitend zur Umsetzung der Lärmaktionspläne der 3. Runde die Roadshow "Lärmaktionsplanung für eine ruhigere Umwelt" durchgeführt.

Um das Thema über die Präsenzveranstaltungen hinaus weiter zu transpotieren, hat sich das Verkehrsministerium entschieden, ergäzend eine Broschüre herauszugeben, die politische Entscheidungsträger und interessierte Bürger zu motiviert, das Thema Lärmschutz und Ortsgestaltung anzugehen und Interessierten gleichzeitig die wesentlichen Grundlagen für eine Umgestaltung von Ortsdurchfahrten mit auf den Weg gibt.

Denn erfolgreicher Lärmschutz an Straßen und Ortsdurchfahrten dient nicht nur dem Gesundheitsschutz der Betroffenen, sondern ist ein essenzieller Baustein für eine nachhaltige Ortsentwicklung und das Ziel lebendiger und verkehrsberuhigter Ortsmitten. Gleichzeitig ist der Lärmschutz Profiteur einer gelungenen integrierten Stadt-, Straßen- und Mobilitätsplanung. Die Broschüre gibt einen Einblick in die vielfältigen Zusammenhänge, zeigt eine Vielzahl von guten Beispielen aus Baden-Württemberg und ermöglicht eine Ersteinschätzung zu Maßnahmen, um Ortsmitten leiser und lebendig zu gestalten.

Die Broschüre "Leise durch den Ort - Lärmschutz als Beitrag zu lebendigen und verkehrsberuhigten Ortsmitten" kann im Internet unter https://vm.baden-wuerttemberg.de/de/service/publikation/did/broschuere-leise-durch-den-ort/ heruntergeladen werden.

Dienstag, 5. Januar 2021

Tagebau Garzweiler: PRR bearbeitet Verkehrsstudie zur LANDFOLGE

Die Tagebaue Garzweiler I und II haben mitten in der dicht besiedelten Rheinschiene ein gigantisches Ausmaß – ein paar Zahlen sollen dies verdeutlichen (ohne die Tagebaue Hambach und Inden!): Gesamtfläche ca. 114 km² derzeit weitgehend unerschlossen, Ost-West-Ausdehnung etwa 17 km, Fläche des Restsees 20-23 km², Befüllung ab etwa 2039 über 35 Jahre u. a. durch Wasserentnahme aus dem Rhein, Abschluss voraussichtlich Ende der 2070er Jahre. Ist es angesichts dieser Dimensionen sinnvoll (und überhaupt machbar), im Jahr 2020 für diesen Raum eine Verkehrsstudie zu erstellen?

Ja, wenn man die Entwicklung in mehrfacher Hinsicht als Prozess versteht: Es ist der bereits laufende Prozess des sich zurückziehenden Tagebaus mit nachrückenden Nutzungen in den Randbereichen. Es ist der Prozess des formalen Umgangs mit den ehemaligen Tagebauflächen (z. B. Bindungen aus der Aktualisierung der Leitentscheidung oder der Frage der Wiederherstellung der A 61 im fortzuschreibenden BVWP). Es ist maßgeblich auch der Prozess einer nachhaltigen, robusten und zukunftsfähigen Flächennutzung und mit welchen Mobilitäts- und Infrastrukturangeboten sie erschlossen werden soll. Die Frage ist vor allem: Wieviel Straße ist notwendig und wie kann die bestehende Schieneninfrastruktur weiterentwickelt werden.

Die Verkehrsstudie reagiert auf diese Prozesshaftigkeit mit drei zeitlich aufeinander folgenden Szenarien: Konkrete kurzfristige Maßnahmen aufbauend auf bereits bestehenden oder festgesetzten Nutzungen, als mittelfristiges Szenario sich bereits verfestigende Entwicklungen, die es zu schärfen und an jeweils aktuelle Erkenntnisse anzupassen gilt, und schließlich als drittes langfristiges Szenario eine Vision zukünftiger Nutzungsstrukturen. Als Entwicklungsmotoren sollen in sich schlüssige Maßnahmencluster dienen. So kann Cluster für Cluster auf neue Rahmenbedingungen – und die werden in den nächsten 50 Jahren nicht ausbleiben – reagiert werden.

PRR hat sich im Auftrag des Zweckverbandes LANDFOLGE GARZWEILER dieser Aufgabe gestellt. Es war ein ungewöhnliches und deshalb sehr spannendes Projekt. Angesichts des zeitlichen Horizonts ist die Studie als Teil eines Findungsprozesses zu verstehen. Es hat uns deshalb gefreut, dass die Gewinner der "Entwurfswerkstatt Innovation Valley" ihre verkehrliche Konzeption stark an unsere Überlegungen angelehnt haben – der nächste kleine Schritt zu einer weiteren Konkretisierung.


Dienstag, 22. Dezember 2020

Heilige Corona, die Schutzheilige gegen Seuchen

Kaum zu glauben aber wahr: Es gibt die Heilige Corona und sie ist im Aachener Dom begraben, und mehr noch:  Sie ist die Schutzpatronin gegen Seuchen! Neben weiteren Patronaten ist sie auch die Schutzpatronin des Fleischerhandwerks (und damit auch der Schlachthöfe) – welch´ eine Ironie.

Ihre Gebeine hatte Otto III. vor mehr als eintausend Jahren nach Aachen gebracht. Nachdem ihr Schrein lange Zeit im Depot der Domschatzkammer verstaubte, ist er nun nach einer aufwändigen Restaurierung in der Domschatzkammer – sofern nicht coronabedingt geschlossen – zu bewundern. Im Dom selbst befindet sich die ursprüngliche Grabplatte. Einen schönen Bericht hierzu gibt es auf  YouTube  (www.youtube.com/watch?v=eiIRBMNBcgo).

Freitag, 4. Dezember 2020

Interdisziplinäre Zusammenarbei bei der Identifizierung von ruhigen Gebieten in der Bundesstadt Bonn

Die Bundesstadt Bonn hat bei den bisherigen beiden Runden zur Aufstellung und Fortschreibung des Lärmaktionsplans jeweils den vom Straßenverkehr ausgehenden Lärm in den Mittelpunkt gestellt. In der dritten Runde hat sie sich entschieden, neben der pflichtgemäßen Fortschreibung die umfassende Identifizierung von ruhigen Gebieten als weiteren Schwerpunkt des Lärmaktionsplans zu entwickeln.

Aus der Kombination mit dem "Bericht zum Freiraum Monitoring 2017 auf Grundlage des integrierten Freiraumsystems der Bundesstadt Bonn (IFS)", der vom Amt für Stadtgrün erstellt wurde, ergab sich die Chance, Lärmschutz und Freiraumplanung qualifiziert zu verknüpfen. Zudem stellte im internetgestützten Mitwirkungsverfahren das Thema "Ruhige Gebiete" einen Schwerpunkt mit interessanten Erkenntissen dar.

Für die Lärmaktionspläne der 4. Runde lässt sich aus diesen Erfahrungen ableiten, dass vor allem die kleinen, wohnungsnahen Gebiete für die Lärmbetroffenen eine hohe Bedeutung besitzen und es nicht ausreicht, insbesondere in Gebieten mit Freiflächendefiziten, ruhige Gebiete nur zu schützen. Sie müssen aktiv entwickelt werden. Dazu ist interdisziplinares Handeln zumindest der Bereiche Lärmschutz, Freiraumplanung, Stadterneuerung und Verkehrsplanung erforderlich.

Die besonderen Vorteile, die sich diesem Vorgehen ergeben, sind Gegenstand eines Aufsatzes von Sophia Soetermanns und Jochen Richard in der Zeitschrift "Lärmbekämpfung", Heft 4, 2020.