Wien gehört zu den Städten in Europa, die in puncto
Städtebau und Verkehr als wegweisend gelten. Auf der Habenseite findet sich zuallererst
die unglaublich hohe Qualität des ÖPNV. U-Bahn im 5-6 Minuten-Takt, dichtes Straßenbahnnetz
mit Bedienung im 6-7 Minuten-Takt, unterstützt von einem engmaschigen
Busliniennetz mit 10 Minuten-Takt. Mit dem Projekt "U2xU5" im Westen
der Stadt wird das U-Bahnnetz bis 2028 mit der neue Linie U 5 um 11 Stationen erweitert.
Beim Fahrradverkehr ist jedoch die Beispielhaftigkeit schnell
zu Ende. Es gibt einzelne, qualitativ hochwertige Abschnitte, die sich aber
nicht zu einem hochwertigen Netz zusammenfügen. Es sind eher Puzzlesteine, die noch
aufwändig zusammengefügt werden müssen. Und der Fußverkehr? Die zentralen
Fußgängerzonen in der Innenstadt sind umgeben von Straßen, die zu
Begegnungszonen umgebaut wurden. Zu nennen ist hier das Paradebeispiel
Mariahilfer Straße, die von einer Automeile zu einem vielfältig genutzten,
urbanen Raum umgestaltet wurde. Der Rückbau von radial auf die Innenstadt
zulaufenden Straße mit punktuellen Engriffen oder mit einem Vollumbau schafft Qualität
für Fußgänger und beschleunigt die Straßenbahn.
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 | Umgestaltete Mariahilfer Straße
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 | Begegungszonen im Umfeld der...
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 | | ...zentralen Fußgängerzonen |
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Durch die kluge Wohnungsbaupolitik seit den 1920er Jahren
lebt heute fast die Hälfte aller Wiener (44 %) in einer Gemeinde- oder
Genossenschaftswohnung. Das bezahlbare Wohnen hat eine gemischte Sozialstruktur
erhalten. Dazu kommt, dass die Stadtteile insbesondere im Westen der Stadt noch
lebendige Nebenzentren mit einem vielfältigen, häufig eigentümergeführten Einzelhandelsangebot
besitzen. Mit dem hervorragenden ÖPNV-Angebot, der günstigen innerstädtischen
Wohnversorgung und den intakten Nebenzentren mit städtebaulich integrierten Verkehrsstraßen
besitzt Wien bereits das, was – ausgehend von Paris – viele Städte als Ziel anstreben:
Die 15 Minuten-Stadt als stadtplanerische Voraussetzung für eine nachhaltige
Verkehrsentwicklung.
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 | Punktuelle Eingriffe Ottrakringer Straße
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 | | Umgestaltung Thaliastraße... |
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 | | ...zum Klima-Boulevard |
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Bei der Weiterentwicklung des Wohnungsbestandes setzt die
Stadt Wien auf Klotzen statt sich mit der Bebauung der letzten innerstädtischen
Freiflächen durch die Stadt zu kleckern. Es gibt mehrere Großprojekte, wo durch
Umnutzung brachliegender Flächen neue, eigenständige Stadtteile entwickelt
werden (z. B. der ehem. Nordbahnhof – mit Verlängerung der Straßenbahnlinie).
Mit der Seestadt Aspern entwickelt die Stadt auf einem ehemaligen Flughafengelände
einen neuen Stadtteil für mehr als 25.000 Menschen und über
20.000 Arbeits- und Ausbildungsplätze – natürlich mit der Schaffung von hochleistungsfähigen
Schienenverbindungen.
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 | Umnutzung des Nordbahnhofs...
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 | ...zu einem neuen Stadtteil
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 | Seestadt Aspern mit großzügigen Straßenräumen
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Bei allen Projekten, sei es im Bestand, durch Umnutzung oder
durch Neubau, rückt das Schwammstadtprinzip immer stärker in den Vordergrund.
Dabei geht es nicht nur um die Bewältigung von Starkregenereignissen, sondern angesichts
des in Wien herrschenden kontinentalen Klimas auch ganz wesentlich um die
Verbesserung des Stadtklimas: Kaum ein öffentlicher Platz ohne Wasserflächen oder
Brunnen, Trinkwasserspender oder Nebeldüsen. Die Neubaugasse/ Zollergasse bieten
das jüngste Beispiel für einen umfassend klimaangepassten Straßenumbau. Die
Vielzahl der Aktivitäten und Einzelmaßnahmen würde den Rahmen dieses Posts sprengen,
kann aber umfassend im Internet auf den Seiten der Stadt Wien nachgelesen
werden und.
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 | Umbau Neubaugasse
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 | Kliamgerechter Umbau Zollergasse
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Wien ist eine Reise wert – nicht nur für Fans des öffentlichen
Nahverkehrs!