Klimawandel in den Schatten stellen
Die letzten Wochen haben mit fast 12.000 Hitzetoten die
dramatischen Folgen des Klimawandels gezeigt, mit der Folge, dass führende
Politiker zusichern, in den nächsten Wochen die Wetterentwicklung zu beobachten
– und offensichtlich nicht zwischen Wetter und Klima unterscheiden können. Für
besonders vulnerable Gruppen stellt sich letztlich die Frage nach der
sommerlichen Zukunft des zu Fuß Gehens und damit der eigenständigen Teilhabe am
öffentlichen Leben. Hitzeinseln werden zur neuen Barriere.
Es bedarf hier keines weiteren Hinweises, welche
Konsequenzen der Klimawandel hat und wie ihm am besten zu begegnen ist. Das ist
alles hinlänglich bekannt. Bekannt ist aber auch, dass Maßnahmen zur
Klimafolgenbewältigung erst mittel-, wenn nicht langfristig greifen. Wenn wir
aber wissen, dass wir nicht warten können, sondern jetzt Erfolge erzielen müssen,
dann gibt es für den öffentlichen Raum unter den vielen sinnvollen Handlungsfeldern vor
allem ein kurzfristig wirksames Handlungsfeld: mehr Schatten schaffen. Der Bedarf ist groß!
 | | Berlin, Sommer 2008 |
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 | | Pretoria, Herbst 2017 |
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 | | Athen, Herbst 2024 |
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 | | Mailand, Frühjahr 2026 |
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Schatten bieten zuallererst Bäume, große Bäume. Schattige
Räume können aber auch durch Sonnensegel, Pergolen, Rankgerüste und ähnliches,
ggf. in Verbindung mit Photovoltaik, vergleichsweise schnell hergestellt
werden. Nachfolgend ein paar Anregung, die uns als unmittebar Betroffene bei sommerlichen Reisen aufgefallen
sind:
Parkanlagen
benötigen ein größeres Angebot an schattigen Sitzmöglichkeiten. Baumpflanzungen
können neue Standorte kreieren. Das Umsetzen von Bänken je nach Jahreszeit oder
flexible bzw. mobile Sitzmöglichkeiten können die Anpassungsstrategie
unterstützten. Schatten verhindert zudem, dass sich Sitzgelegenheiten in der Sonne
übermäßig aufheizen.
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Bänke im Schatten sind belegt, Bänke in der Sonne
(Hintergrund) unbenutzt (Mailand) |
Es sollte
selbstverständlich sein, ist es aber nicht: Spielplätze müssen zum Schutz der Kinder ausreichende
Schattenbereiche besitzen, was gleichzeitig überhitzte Spielgeräte vermeidet. Wasserspiele tragen zur Kühlung des Umfeldes bei.
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| Spielangebote im Schatten alter Bäume (Hintergrund) mit Wasserspielen in der Sonne (Bonn) |
An Haltestellen
sind wartende Fahrgäste mit ausreichender Kapazität vor direkter
Sonneneinstrahlung zu schützen. Das kann neben Bäumen auch entsprechende bauliche Anlagen umfassen.
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| Bushaltestelle mit durchlüftetem und intensiv begrüntem Wetterschutz (Eindhoven) |
Bisher
haben Fußgängerzonen bzw. Einkaufsstraßen ihre höchste Fußgängerfrequenz auf
der "Sonnenseite". Für die Sommermonate gilt das nur noch bedingt. Mehr
Schatten ist ein Element, ein verträgliches Ganzjahresklima auf beiden
Straßenseiten herzustellen. Hier sind auch temporäre Elemente gut vorstellbar.
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| Transparentes Schattendach für einen Boulevard (Sevilla) |
Die
Wartezeiten an Lichtsignalanlagen sind zu überprüfen, um die Wartezeiten auf das unbedingt
notwendige Maß zu beschränken. Für vulnerable Gruppen verlängern sich zudem die
Räumzeiten. Startgrün, Sofortgrün mit Zusatzanforderung, Zwischengrün,
Dauergrün mit Kfz-Anforderung, mehr
Fußgängerüberwege/ Mittelinseln) sind diesem Zusammenhang neu zu bewerten. Mit einer wetterabhängigen Signalsteuerung könnten Fußgänger bei mehr als 33° Celsius Vorrang erhalten – mehr Schatten bildet hier eher die Ultima Ratio.  |
| Bei Regen werden Radfahrer detektiert und erhalten Vorrang in der Signalsteuerung (Rotterdam) |
Wenn Straßenräume um- oder rückgebaut werden: Kleine Bäume
sind zwar kostengünstig, bilden aber erst nach fünf oder zehn Jahren eine
schattenspendende Krone aus. Aus Klimaschutzgründen ist die Pflanzung von größeren
Bäumen mit ausgebildeter Krone zu empfehlen.
 | | "Schattenstreifen" nach Straßenumbu (Athen) |
|  | | Straßenumbau mit großkronigen Bäumen für "Sofortschatten" (Wien) |
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Abschließend ein ganz anderes Thema: Während dieser Text geschrieben wird, herrscht in unserer Blockinnenfläche (eine öffentliche Grünfläche) Stille. Kein einziger Vogel ist zu hören. Hierzu die Empfehlung des NABU: "Vogeltränken sind essenzielle Elemente im naturnahen Garten (Anm.: und Balkon) – besonders in heißen oder trockenen Phasen. Sie versorgen Vögel mit Trinkwasser und bieten vielen Arten eine Möglichkeit zur Gefiederpflege. Zudem ziehen sie auch Nützlinge wie Igel, Insekten oder Eichhörnchen an und machen den Garten zu einem lebendigen Treffpunkt der Artenvielfalt."