Donnerstag, 29. Oktober 2026

Bozen – die Fahrradstadt an Talfer und Etsch

Bozen, knapp 107.000 Einwohner und Hauptstadt der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, gehört zu den fahrradfreundlichsten Städten Italiens. Sie verfügt über ein 72,8 km langes Radwegenetz und hat einen Radverkehrsanteil von 26 % im Jahresdurchschnitt. Dazu muss man wissen, dass Bozen durch die Tallage zwar relativ flach ist, aber wegen der Kessellage die klimatischen Verhältnisse im Winter durch Kälte und im Sommer durch Hitze geprägt sind. Für ihr Engagement zur Förderung des Radverkehrs wurde die Stadt mehrfach mit der "Gelben Fahne" als Comune Ciclabile des italienischen Fahrradverbands FIAB ausgezeichnet.

Acht überwiegend gut ausgebaute Hauptrouten durchziehen das Stadtgebiet. Die wichtigste Verbindung (R4) verläuft als weitgehend Kfz- und kreuzungsfreie Route durch den Grünzug entlang des Westufers der Talfer. Die Route dient sowohl als westliche Tangente zur Altstadt wie auch als Verteilerachse für die nach Westen und Süden ausgerichteten Radialen zu den Vorstädten. Fuß- und Radverkehr werden dabei überwiegend getrennt auf eigenen Wegen geführt.

Getrennte Fuß- und Radwege im Grünzug entlang der Tauler

Abbiegehinweis für den nachfolgenden Verkehr

Zubringer zur tieferliegenden Fahrradachse 

Auffallend ist die Brückendichte entlang der Talfer. Neun Brücken stellen die Verbindung zwischen den südwestlichen Vorstädten und der Altstadt bzw. dem Mobilhub Bahnhof her. Teils sind es bestehende, an die Nutzung für den Rad- und Fußverkehr angepasste Brücken, aber auch neue Bauwerke mit einer eigenen Formensprache, die der räumlichen Wahrnehmung von Fußgängern und Radfahrern entgegenkommt.

Gestylte Brücken für Fuß- und Radverkehr 

Getrennte Führung Fuß-/ Radverkehr auf Bestandsbrücke

Historische Brücke für den Fuß- und Radverkehr

Das Netz enthält eine Vielzahl kreativer Einzellösungen, wobei offensichtlich auch nach dem Prinzip verfahren wird, "lieber eine nicht optimale Lösung als gar keine Lösung", um schnell durchgängige Achsen zu erhalten. Über diesen Ansatz kann man nach dem Motto "nichts hält länger als ein Provisorium" streiten. Er erscheint aber dann vertretbar, wenn eine befriedigende Lösung zeitnah hergestellt werden kann.

Ungünstiges Provisorium an Bushaltestelle

Ungesicherter Radfahrstreifen im Zweirichtngsverkehr

Und es fällt ein weiterer Punkt auf: Das Netz ist in Teilen so hoch belastet, dass auf den separat geführten Fahrradachsen straßenverkehrsrechtliche Regelungen wie Vorfahrtregelungen, Fußgängerüberwege und vergleichbare Anordnungen aus Verkehrssicherheitsgründen angeordnet werden mussten.

Komplexe Markierungen zur Vorfahrtregelungen

Fußgängerüberweg auf Fahrradtrasse

Vielbefahrener Knotenpunkt mit Vorfahrtregelung

Knotenpunktmarkierungen Rad-/Fußverkehr

Auf dem Weg in den Urlaub lohnt es sich immer, in Bozen einen Zwischenstopp einzulegen. Neben der Altstadt – bekannt für die Lauben – ist die Fahrradinfrastruktur ein guter Grund für einen Besuch.