Bozen – die Fahrradstadt an
Talfer und Etsch
Bozen, knapp 107.000 Einwohner
und Hauptstadt der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, gehört zu den
fahrradfreundlichsten Städten Italiens. Sie verfügt über ein 72,8 km langes Radwegenetz
und hat einen Radverkehrsanteil von 26 % im Jahresdurchschnitt. Dazu muss man
wissen, dass Bozen durch die Tallage zwar relativ flach ist, aber wegen der
Kessellage die klimatischen Verhältnisse im Winter durch Kälte und im Sommer durch
Hitze geprägt sind. Für ihr Engagement zur Förderung des Radverkehrs wurde die
Stadt mehrfach mit der "Gelben Fahne" als Comune Ciclabile des
italienischen Fahrradverbands FIAB ausgezeichnet.
Acht überwiegend gut ausgebaute Hauptrouten durchziehen das
Stadtgebiet. Die wichtigste Verbindung (R4) verläuft als weitgehend Kfz- und
kreuzungsfreie Route durch den Grünzug entlang des Westufers der Talfer. Die
Route dient sowohl als westliche Tangente zur Altstadt wie auch als Verteilerachse
für die nach Westen und Süden ausgerichteten Radialen zu den Vorstädten. Fuß-
und Radverkehr werden dabei überwiegend getrennt auf eigenen Wegen geführt.
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| Getrennte Fuß- und Radwege im Grünzug entlang der Tauler |
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| Abbiegehinweis für den nachfolgenden Verkehr |
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| Zubringer zur tieferliegenden Fahrradachse |
Auffallend ist die Brückendichte entlang der Talfer. Neun
Brücken stellen die Verbindung zwischen den südwestlichen Vorstädten und der Altstadt
bzw. dem Mobilhub Bahnhof her. Teils sind es bestehende, an die Nutzung für den
Rad- und Fußverkehr angepasste Brücken, aber auch neue Bauwerke mit einer
eigenen Formensprache, die der räumlichen Wahrnehmung von Fußgängern und Radfahrern
entgegenkommt.
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| Gestylte Brücken für Fuß- und Radverkehr |
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| Getrennte Führung Fuß-/ Radverkehr auf Bestandsbrücke |
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| Historische Brücke für den Fuß- und Radverkehr |
Das Netz enthält eine Vielzahl kreativer Einzellösungen,
wobei offensichtlich auch nach dem Prinzip verfahren wird, "lieber eine
nicht optimale Lösung als gar keine Lösung", um schnell durchgängige
Achsen zu erhalten. Über diesen Ansatz kann man nach dem Motto "nichts
hält länger als ein Provisorium" streiten. Er erscheint aber dann
vertretbar, wenn eine befriedigende Lösung zeitnah hergestellt werden kann.
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| Ungünstiges Provisorium an Bushaltestelle |
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| Ungesicherter Radfahrstreifen im Zweirichtngsverkehr |
Und es fällt ein weiterer Punkt auf: Das Netz ist in Teilen
so hoch belastet, dass auf den separat geführten Fahrradachsen
straßenverkehrsrechtliche Regelungen wie Vorfahrtregelungen, Fußgängerüberwege
und vergleichbare Anordnungen aus Verkehrssicherheitsgründen angeordnet werden
mussten.
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| Komplexe Markierungen zur Vorfahrtregelungen |
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| Fußgängerüberweg auf Fahrradtrasse |
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| Vielbefahrener Knotenpunkt mit Vorfahrtregelung |
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| Knotenpunktmarkierungen Rad-/Fußverkehr |
Auf dem Weg in den Urlaub lohnt es sich immer, in Bozen
einen Zwischenstopp einzulegen. Neben der Altstadt – bekannt für die Lauben –
ist die Fahrradinfrastruktur ein guter Grund für einen Besuch.