Donnerstag, 5. Februar 2026

Nach dem Lärmaktionsplan ist vor dem Lärmaktionsplan?

Der Lärmaktionsplan der 4. Runde ist an das Land gemeldet, die 5. Runde beginnt erst im Juli nächsten Jahres. Also Pausentaste drücken? Mitnichten! Denn im Lärmaktionsplan der 4. Runde wurden Maßnahmen zur Lärmminderung beschlossen, und in vielen Fällen besteht noch ein erheblicher Überhang aus den vorherigen Lärmaktionsplänen, die darauf warten, umgesetzt zu werden. Bis zur nächsten Runde erwartet die Öffentlichkeit, Politik wie auch die EU Taten, damit es in unseren Städten leiser wird. Jetzt ist die beste Zeit das Thema anzugehen. 

Eine der häufigsten Maßnahmen in Lärmaktionsplänen ist die Anordnung von Tempo 30. Die letzten Novellierungen der StVO haben die Anordnungsmöglichkeiten deutlich erweitert. Die notwendige straßenverkehrsrechtliche Einzelfallprüfung, sofern nicht im Aufstellungsverfahren des Lärmaktionsplans durchgeführt, ist aber weiterhin recht aufwändig, führt aber viel häufiger zu einem positiven Ergebnis als häufig angenommen wird. Auch wenn bei den Straßenverkehrsbehörden eine positive Entwicklung zu beobachten ist, tut sich die eine oder andere Behörde weiterhin schwer, zulässige Anordnungen zu vollziehen.

Bereits seit vielen Jahren hat deshalb der vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. eine Fortbildungsveranstaltung unter dem Titel "Tempo 30 und Begegnungszonen – Einsatzbereiche und praktische Umsetzung" in seinem Programm. Die nächste Veranstaltung findet am Dienstag, den 10. März 2026, als Webinar statt. Eine gute Gelegenheit die scheinbare Pause zwischen 4. und 5. Runde der Lärmaktionspläne zu füllen. Bei Interesse sind weitere Informationen unter 

www.vhw.de/fortbildung/veranstaltung/tempo-30-und-begegnungszonen-einsatzbereiche-und-praktische-umsetzung-am-10-03-2026-in-berlin-wb266064/ 

zufinden – vielleicht sieht man sich ja!


Wir sind zurück!

Lange, zu lange ist es her, dass wir hier in unserem Blog einen Post veröffentlicht haben – es war der 7. Juni 2023. Aber nun wollen wir ihn wiederbeleben. Es lohnt sich also, immer mal wieder bei uns hereinzuschauen, ob es etwas Interessantes zu lesen gibt.

Starten möchten wir mit dem Hinweis auf einen Aufsatz in der Straßenverkehrstechnik, Heft 1 2026, zum Thema Parkraumbewirtschaftung in der Stadt Konstanz. Konstanz will sich in den Kreis der Städte einreihen, die ihre Zentren weitgehend autofrei umbauen, um dem Fuß- und Radverkehr mehr Raum zu geben und die Aufenthalts- und Wohnqualität zu stärken. Hierfür ist die Stadt 2024 mit dem Verkehrsplanungspreis ausgezeichnet worden. Ein bisher eher selten genutzter Ansatz zur Parkraumbewirtschaftung unterstützt die eingeleitete Mobilitätswende maßgeblich.

Die Parkraumkonzepte für die beiden Stadtteile Paradies und Petershausen-West beruhen auf einer kleinteiligen lokalen Straßenhierarchie zur Quartiersbildung und wenden sich – soweit straßenverkehrsrechtlich zulässig – vom Prinzip des flächendeckend gemischten Parkens von Bewohnern und Besuchern ab. Straßenverkehrsrechtlich wird dies durch eine Negativ-Beschilderung auf den Wohnstraßen (Bild 1) und eine Positiv-Beschilderung auf den Erschließungsstraßen (BIld 2) eindeutig kommuniziert. Die lenkende Wirkung der Parkraumwirtschaftung führt zu einer deutlichen Reduzierung des Parksuchverkehrs und zu einer Verringerung der Stellplatznachfrage. Ein besseres Miteinander auf den Wohnstraßen ist die Folge.

Bild 1: Negativ-Beschilderung in den Wohnstraßen

Bild 2: Positiv-Beschilderung auf den
Erschließungsstraßen

Zum 1. August 2016 wurde im Stadtteil Paradies die Parkraumbewirtschaftung mit diesem System neu geordnet. Bis auf kleinere Anpassungen, die sich aus der Alltagsnutzung ergaben, hat sich kein weiterer Optimierungsedarf ergeben. Angesichts der Größe des Bewirtschaftungsgebiets, der umfassenden Umstellung der Bewirtschaftungsform und der hohen Akzeptanz ist das neue Konzept ein wesentlicher Beitrag zu einer lebenswerten Stadt.

Den "Konstanzer Weg" wird man sicher nicht überall einsetzen können, aber er bietet wegen der hohen Akzeptanz wie auch seiner Zukunftsfähigkeit eine mögliche Planungsstrategie im Portfolio denkbarer Lösungen. Der "Konstanzer Weg" kann deshalb auch über Konstanz hinaus an Bedeutung gewinnen – doch lesen Sie selbst!